Micron Document
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<title>Bassreflex-Gehäuse</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Bassreflex-Gehäuse</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Bassreflex-Gehäuse</b> sind eine spezielle Form von <a href="Lautsprechergeh%C3%A4use" title="Lautsprechergehäuse">Lautsprechergehäusen</a> für Tiefton-<a href="Lautsprecher" title="Lautsprecher">Lautsprecher</a> und <a href="Subwoofer" title="Subwoofer">Subwoofer</a>. Bei einer solchen Box ist das Gehäuse nicht geschlossen, sondern mit einer Öffnung –&nbsp;dem Bassreflexkanal&nbsp;– versehen. Der vom Lautsprecher nach vorne (siehe Foto), rückwärtig oder nach unten abgestrahlte Schallanteil wird genutzt, um die Basswiedergabe zu „verstärken“. Der Kanal dient dabei im Zusammenwirken mit dem Innenvolumen als <a href="Helmholtz-Resonator" title="Helmholtz-Resonator">Resonator</a> und erhöht den Wirkungsgrad der Box im Bereich der Einbau-<a href="Resonanzfrequenz" title="Resonanzfrequenz">Resonanzfrequenz</a> des Lautsprechers.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zielsetzung">Zielsetzung</h2></div>
<p>Wie auch bei <a href="Transmissionline-Geh%C3%A4use" title="Transmissionline-Gehäuse">Transmissionlines</a> oder <i>backloaded</i> <a href="Horn_(Lautsprecher)" title="Horn (Lautsprecher)">Hornlautsprecher</a>-Gehäusen, wird hier der rückwärtig abgestrahlte Schallanteil eines Lautsprechers –&nbsp;im Zusammenhang meist als <i>Chassis</i> bezeichnet&nbsp;– genutzt, um die Wiedergabe im für das menschliche Ohr relevanten Tieftonbereich zu erhöhen. Einfacher ausgedrückt bietet eine Box dieser Bauart „mehr Bass“. Tatsächlich erhöht sie den <a href="Schalldruckpegel" title="Schalldruckpegel">Schalldruck</a> bei der Chassis-Resonanzfrequenz auf Kosten weit darunter liegender Frequenzen; es hängt somit von den <a href="Thiele-Small-Parameter" title="Thiele-Small-Parameter">Parametern</a> des jeweiligen Lautsprechers ab, wie weit ein derartiger Einsatz sinnvoll ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Resonanzabstimmung">Resonanzabstimmung</h2></div>
<p>Die Abstimmung der Resonanz erfolgt durch die Länge bzw. die Querschnittsfläche des Kanals (die Schwingungen von der Rückseite der Membran des Lautsprechers werden auf die kompressible Luftmasse im Gehäuse übertragen, welche als Feder wirkt und zusammen mit der Masse der Luft im Kanal einen Resonator bildet).
</p><p>Meist durch Längenänderung des Bassreflexrohres kann eine Anpassung an die so genannten <a href="Thiele-Small-Parameter" title="Thiele-Small-Parameter">Thiele-Small-Parameter</a> des Lautsprechers und an das Gehäusevolumen vorgenommen werden.
</p><p>Die Abstimmung kann durch <a href="Experiment" title="Experiment">Experimente</a>, mathematische Näherungsformeln (Abstimmung nach William John Joseph Hoge) oder mit Hilfe von <a href="Computersimulation" title="Computersimulation">Computersimulationen</a> erfolgen. Bei der Simulation werden so genannte <a href="Ersatzschaltbild" title="Ersatzschaltbild">Ersatzschaltbilder</a> verwendet. Das Ziel ist ein möglichst <a href="Linearit%C3%A4t_(Physik)" title="Linearität (Physik)">linearer</a> <a href="Frequenzgang" title="Frequenzgang">Frequenzgang</a> bis zur unteren <a href="Grenzfrequenz" title="Grenzfrequenz">Grenzfrequenz</a> und eine Verringerung des Membranhubs bei tiefen Frequenzen.
</p><p>Die Verwendung von Bassreflex-Gehäusen (kurz: BR-Gehäusen) ermöglicht es, Lautsprecher (auch Chassis oder Treiber genannt) mit im Bezug auf die Größe ihrer Schallwandöffnung relativ starken elektrodynamischen Antrieben zu nutzen. Derartige Lautsprecher haben in geschlossenen Systemen einen geringen <a href="Wirkungsgrad" title="Wirkungsgrad">Wirkungsgrad</a> bei tiefen <a href="Frequenz" title="Frequenz">Frequenzen</a> im Bereich der Einbauresonanzfrequenz.
</p><p>Die durch das BR-Gehäuse und den Kanal festgelegte sogenannte Abstimmfrequenz kompensiert den schwachen Wirkungsgrad im Bereich tiefer Frequenzen – der Lautsprecher erzeugt bei gleicher Auslenkung der Membran eine höhere Schallintensität. Hierdurch werden Systeme mit höherem Wirkungsgrad bei gleichzeitig tieferer Grenzfrequenz als bei gleich großen geschlossenen Gehäusen ermöglicht.
</p>



<p>Der Wirkungsbereich des Resonators liegt im Bereich von etwa 0,75 *fb … 2 *fb, in diesem Bereich wird der maximale Schalldruckpegel um mindestens 2,5 dB verbessert.
</p><p>Im Bereich zwischen 0,75 *fb und 0,9 *fb wird der Membranhub zwar verringert, er liegt dort aber trotzdem immer noch sehr hoch, so dass als optimaler Arbeitsbereich Frequenzen oberhalb 0,9 *fb angesehen werden können.
</p><p><i>Asymptotisches Verhalten</i>: 12 dB/oct unterhalb der Resonanzfrequenz, 12 dB/oct unterhalb der Tunnelresonanzfrequenz, 24 dB/oct, wenn beides zutrifft.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Berechnung_des_Reflexkanales">Berechnung des Reflexkanales</h2></div>
<p>Die allgemeine Formel zur Berechnung von Helmholtz-Resonator-Kanälen mit kreisförmigem Querschnitt bei angenommenem Innendurchmesser <i>d</i> des Rohres lautet für dessen Länge <i>l</i> (jeweils in cm):
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle l={\frac {23400\ {\cdot }\ d^{2}}{f^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}8\cdot d}">
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<annotation encoding="application/x-tex">{\displaystyle l={\frac {23400\ {\cdot }\ d^{2}}{f^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}8\cdot d}</annotation>
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/2d9e031428ea3e804d2a11fdd45a8daa5cccd6bf.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -2.505ex; width:23.228ex; height:6.343ex;" alt="{\displaystyle l={\frac {23400\ {\cdot }\ d^{2}}{f^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}8\cdot d}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p><i>f</i> steht für die gewünschte Abstimmfrequenz (in <a href="Hertz_(Einheit)" title="Hertz (Einheit)">Hertz</a>), und <i>V</i><sub>B</sub> für das effektive Netto-Innenvolumen des Gehäuses (in Litern). Der Term „−0,8·d“ ist die sog. Mündungskorrektur (siehe <a href="Endkorrektur_der_Resonatorl%C3%A4nge" title="Endkorrektur der Resonatorlänge">Endkorrektur der Resonatorlänge</a>).
</p><p>Bei BR-Boxen wird normalerweise eine Gehäusegüte <i>Q</i><sub>tc</sub> = 0,707 angestrebt (<a href="Butterworth-Filter" title="Butterworth-Filter">Butterworth</a>-Charakteristik: optimale Balance zwischen <a href="Frequenzgang" title="Frequenzgang">Frequenzgang</a> und <a href="Sprungantwort" title="Sprungantwort">Sprungantwort</a>). Das entsprechende Innenvolumen ergibt sich aus der Gesamtgüte <i>Q</i><sub>ts</sub> des eingesetzten Chassis und seinem Äquivalentvolumen <i>V</i><sub>as</sub> (in Litern):
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle V_{\text{B}}=11\ {\cdot }\ V_{\text{as}}\ {\cdot }\ {Q_{\text{ts}}}^{\!\!\!2{,}87}}">
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/b0336cc2019a8efde08a8a87dafd5143330b3435.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -0.671ex; width:20.201ex; height:3.009ex;" alt="{\displaystyle V_{\text{B}}=11\ {\cdot }\ V_{\text{as}}\ {\cdot }\ {Q_{\text{ts}}}^{\!\!\!2{,}87}}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p>Die Kanallänge <i>l</i> (in cm) wird hier bei einer angenommenen Querschnittsfläche <i>A</i><sub>f</sub> (in cm²) auch über die Resonanzfrequenz <i>f</i><sub>s</sub> des Chassis ermittelt:
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle l={\frac {{Q_{\text{ts}}}^{1{,}8}\ {\cdot }\ A_{\text{f}}\ {\cdot }\ 168939}{{f_{\text{s}}}^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}88\cdot {\sqrt {A_{\text{f}}}}}">
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<annotation encoding="application/x-tex">{\displaystyle l={\frac {{Q_{\text{ts}}}^{1{,}8}\ {\cdot }\ A_{\text{f}}\ {\cdot }\ 168939}{{f_{\text{s}}}^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}88\cdot {\sqrt {A_{\text{f}}}}}</annotation>
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/a9463eed652c1bd1d2318245f9d78bee3a00fe74.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -2.838ex; width:37.062ex; height:6.843ex;" alt="{\displaystyle l={\frac {{Q_{\text{ts}}}^{1{,}8}\ {\cdot }\ A_{\text{f}}\ {\cdot }\ 168939}{{f_{\text{s}}}^{2}\ {\cdot }\ V_{\text{B}}}}-0{,}88\cdot {\sqrt {A_{\text{f}}}}}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p>Die Ansteuerungsart der Lautsprecherbox beeinflusst jedoch das Ergebnis, da sich <i>Q</i><sub>ts</sub> aus der elektrischen Güte <i>Q</i><sub>es</sub> und der mechanischen Güte <i>Q</i><sub>ms</sub> des Chassis ergibt:
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle Q_{\text{ts}}={\frac {1}{{\frac {1}{Q_{\text{es}}}}+{\frac {1}{Q_{\text{ms}}}}}}}">
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</mrow>
</mfrac>
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<annotation encoding="application/x-tex">{\displaystyle Q_{\text{ts}}={\frac {1}{{\frac {1}{Q_{\text{es}}}}+{\frac {1}{Q_{\text{ms}}}}}}}</annotation>
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/c20799af0814ecc68d73f6b674e4a7cf02d58144.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -3.838ex; width:17.49ex; height:7.176ex;" alt="{\displaystyle Q_{\text{ts}}={\frac {1}{{\frac {1}{Q_{\text{es}}}}+{\frac {1}{Q_{\text{ms}}}}}}}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p>Bei Einsatz einer passiven <a href="Lautsprecherweiche" class="mw-redirect" title="Lautsprecherweiche">Lautsprecherweiche</a> z.&nbsp;B. addieren sich deren Innenwiderstand und der Chassiswiderstand <i>R</i><sub>e</sub> zu <i>R</i><sub>Sum</sub> (jeweils in <a href="Ohm" title="Ohm">Ohm</a>), wodurch sich <i>Q</i><sub>es</sub> folgendermaßen verändert:
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle Q_{\text{es*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{R_{\text{e}}}}}">
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<annotation encoding="application/x-tex">{\displaystyle Q_{\text{es*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{R_{\text{e}}}}}</annotation>
</semantics>
</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/3f8e3678ac1e5ad8dba06f119d0115b7ba955f6a.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -2.338ex; width:18.655ex; height:5.843ex;" alt="{\displaystyle Q_{\text{es*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{R_{\text{e}}}}}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p>Was für die obige BR-Kanal-Längenberechnung bedeutet, dass letztlich <i>Q</i><sub>ts</sub> durch <i>Q</i><sub>ts*</sub> ersetzt werden muss; zusammengefasst also durch:
</p>
<dl><dd><span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle Q_{\text{ts*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {Q_{\text{ms}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{{Q_{\text{es}}}{\cdot }{R_{\text{Sum}}}\ +\ {Q_{\text{ms}}}{\cdot }{R_{\text{e}}}}}}">
<semantics>
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<annotation encoding="application/x-tex">{\displaystyle Q_{\text{ts*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {Q_{\text{ms}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{{Q_{\text{es}}}{\cdot }{R_{\text{Sum}}}\ +\ {Q_{\text{ms}}}{\cdot }{R_{\text{e}}}}}}</annotation>
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/9f637cde437c9f8d60e46430f2224cc59958249d.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -2.338ex; width:28.865ex; height:5.843ex;" alt="{\displaystyle Q_{\text{ts*}}={\frac {{Q_{\text{es}}}\ {\cdot }\ {Q_{\text{ms}}}\ {\cdot }\ {R_{\text{Sum}}}}{{Q_{\text{es}}}{\cdot }{R_{\text{Sum}}}\ +\ {Q_{\text{ms}}}{\cdot }{R_{\text{e}}}}}}" loading="lazy"></span></dd></dl>
<p>Diese Korrektur gilt in erster Linie für Passivlautsprecher. Bei aktiver Ansteuerung (= keine weiteren Bauteile zwischen Verstärker-Endstufe und Chassis) wirkt hier nur der Ausgangswiderstand des Verstärkers, welcher bei gängigen Transistorendstufen wenig Einfluss hat – im Unterschied allerdings zu <a href="R%C3%B6hrenverst%C3%A4rker" title="Röhrenverstärker">Röhrenverstärkern</a>.
</p><p>Grundsätzlich können BR-Kanäle beliebige Querschnittsformen aufweisen und auch gekrümmt, abgeknickt etc. sein. Zu kleine oder zu schmale Kanäle bewirken jedoch Luftverwirbelungen (Pfeifgeräusche), während zu große Kanäle u.&nbsp;a. für höhere, von der Membranrückseite des Chassis abgestrahlte Frequenzen hörbar „durchlässig“ werden. Es können auch mehrere Kanäle zum Einsatz kommen. Solange sie identische Abmessungen aufweisen, gilt für ihre jeweilige Länge ebenfalls die obige BR-Kanal-Formel: Nur die Variable <i>d</i> muss dann durch <i>d</i> ∙√<i>n</i> ersetzt werden, wobei <i>n</i> für die Anzahl der Kanäle steht. Eine Geschwindigkeit der im Kanal schwingenden Luft bis 55 m/s (0,16 c<sub>Luft</sub>) gilt als unkritisch<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, weshalb der Querschnitt des Kanals im Verhältnis zu Lautsprecherdurchmesser und - hub nicht zu klein sein sollte (überschlägig gilt: Rohrdurchmesser = 1/3 des Lautsprecherdurchmessers bis Kanalquerschnittsfläche = 1/5 der Membranfläche).
</p><p>Zu beachten ist, dass <i>V</i><sub>B</sub> (wie zu Eingang dieses Abschnittes erwähnt) das <i>effektive</i> Netto-Innenvolumen des Gehäuses bezeichnet. Dies bedeutet einerseits, dass das Volumen von eingelagerten Frequenzweichen und hineinragenden Chassismagneten bei der Bemessung der Gehäusegröße ebenso abgezogen werden muss wie jenes des BR-Kanales selbst. Andererseits bewirkt eingebrachtes Dämpfungsmaterial – je nach Menge und Beschaffenheit – eine virtuelle Vergrößerung von <i>V</i><sub>B</sub> um rund 10 bis 30&nbsp;%.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau_der_Box">Aufbau der Box</h2></div>

<p>Günstig ist, den Bereich um die Mündungen der Bassreflexkanäle von Dämpfungsmaterial frei zu halten, um das ungehinderte Zirkulieren der Luft in den Kanälen zu ermöglichen. Auch sollte die Rohrmündung deshalb mindestens um das Maß des Innendurchmessers von Hindernissen, z. B. der Gehäuserückwand, entfernt sein.
</p><p>Erfahrungen zeigten, dass es im Allgemeinen günstig ist, die äußere Mündung des BR-Kanals möglichst weit weg vom Tieftonlautsprecher (in etwa so, wie auf dem obersten Bild zu sehen) anzubringen.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei einer Anbringung an der Gehäuserückwand etc. besteht der Vorteil in einer geringeren Hörbarkeit von Strömungsgeräuschen, Rohrresonanzen und hindurchdringenden höheren Frequenzanteilen. Jedoch ist hier bei wandnaher Aufstellung der Einfluss der Wand, an der die Box steht, zu beachten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorteile">Vorteile</h2></div>
<ul><li>Deutlich höherer <a href="Schalldruckpegel" title="Schalldruckpegel">Schalldruckpegel</a> (bis zu 13,5 dB) im Bereich der untersten <a href="Oktave" title="Oktave">Oktave</a> möglich, bzw.</li>
<li>Erweiterung der Leistungsbandbreite um 1,1 Oktaven (Faktor 2,2)</li>
<li>Kräftigere Basswiedergabe bei Chassis mit stärkeren Antrieben, deren Frequenzgang sonst durch <a href="Elektromagnetische_Induktion" title="Elektromagnetische Induktion">Gegeninduktion</a> aufgrund großer Auslenkung frühzeitig absinkt.</li>
<li>verschiedene Abstimmvarianten (Hoge, Thiele/Small, Novak, Bullock, …); Frequenzgang und Gehäusegröße bei gegebenem Chassis und Raumverhältnissen vielfältig gestaltbar.</li>
<li>deutlich geringere Auslenkung der Membran bei gleichem Schallpegel.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Nachteile">Nachteile</h2></div>
<ul><li>Größere Gruppenlaufzeit bzw. schlechtere Impulstreue im Bereich der Resonanzfrequenz</li>
<li>Steilerer Abfall der Übertragungsfunktion unterhalb der unteren Grenzfrequenz</li>
<li>Wenn das Chassis Frequenzen, deren Wellenlänge im Bereich des Tunnels (Bassreflexrohr) liegt, überträgt, kommt es zu Tunnelresonanzen. Dieses Problem tritt bei praktisch allen Bassreflexboxen auf, die mit dem gleichen Lautsprecher auch mittlere Frequenzen wiedergeben. Auch störende Gehäuse-Innenresonanzen können durch das Baßreflexrohr nach außen dringen.</li>
<li>Bei unzureichender Dimensionierung des Tunnels kommt es durch hohe Geschwindigkeiten der Luft im Tunnel zu störenden Strömungsgeräuschen, und aufgrund von Reibung der Luft an den Tunnelwänden und Verwirbelungen zu einem Nachlassen der Effektivität des Baßreflexkanals.</li>
<li>Bei Abstrahlung von Schall unterhalb der Resonanzfrequenz des Gesamtsystems kommt es infolge fehlender Federsteifheit des Luftpolsters zu übergroßen Membranauslenkungen bei gleichzeitiger Auslöschung von Schall der Lautsprecher- und Tunnelseite (akustischer Kurzschluss). Die große Auslenkung führt zu nichtlinearen Verzerrungen und <a href="Intermodulation" title="Intermodulation">Intermodulation</a>, beim Anschlagen der Schwingspule auf den Magneten sogar zu Schäden am Lautsprecher.</li></ul>
<ul><li>Bei Aktivlautsprechern:
<ul><li>Die Tunnelresonanzfrequenz legt den Leistungsfrequenzgang fest, bei festgelegter unterer Leistungsbandbreite berechnet sich diese zu <span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle 1{,}1\cdot f_{\min }}">
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<mn>1</mn>
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<mo>,</mo>
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<mn>1</mn>
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<li>Aktivlautsprecher baut man meist kleiner als Passivlautsprecher und entzerrt dann nachträglich elektronisch den Frequenzgang.</li></ul></li></ul>
<p>Diese elektronische Entzerrung beinhaltet praktisch immer einen Schutzfilter 2. bis 4. Ordnung vor Frequenzen unterhalb <span class="mwe-math-element mwe-math-element-inline"><span class="mwe-math-mathml-inline mwe-math-mathml-a11y" style="display: none;"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" alttext="{\displaystyle f_{\min }}">
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</math></span><img src="./_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/e949a42e2527083f9419af14d2e761422ee8dc72.svg" class="mwe-math-fallback-image-inline mw-invert skin-invert" aria-hidden="true" style="vertical-align: -0.671ex; width:4.112ex; height:2.509ex;" alt="{\displaystyle f_{\min }}" loading="lazy"></span>. Solche Filtersteilheiten sind mit passiven Filtern (Lautsprecherweichen in Passivboxen) kaum zu realisieren bzw. sind zu materialintensiv.
</p><p>Die Reduktion des Gehäusevolumens ist limitiert durch die im Tieftonbereich erforderliche höhere elektrische Leistung – es muss weiterhin gewährleistet sein, dass die mechanische Übersteuerung vor der elektrischen Überlastung auftritt. Weiterhin darf der Resonatortunnel nicht zu lang werden (Richtwert ~1/Vs).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Götz Schwamkrug: <i>Lautsprecherboxen: Aufbau – Nachbau – Umbau</i>. 2. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 1989, ISBN 3-921608-83-X</li>
<li>Berndt Stark: <i>Lautsprecher-Handbuch: Theorie und Praxis des Boxenbauens</i>. 7. Auflage, Richard Pflaum Verlag, München, 1999, ISBN 3-7905-0807-1</li>
<li>Friedemann Hausdorf: Handbuch der Lautsprechertechnik, 3., überarb. Aufl., Verlag Peter Schukat, Haan, 1990</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bass_reflex_loudspeakers?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Bassreflex-Gehäuse</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.hifi-selbstbau.de/grundlagen-mainmenu-35/gehearten-mainmenu-67/122-loch-in-der-box-was-nun-die-bassreflexbox">Hifi-Selbstbau: Loch in der Box, was nun? Das Bassreflexgehäuse für Anfänger</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://hifi-selbstbau.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=116&amp;Itemid=35">Hifi-Selbstbau: Zusammenhang zwischen Wirkungsgrad, unterer Grenzfrequenz und Gehäusevolumen</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.linearteam.org/"><i>WinISD.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 25.&nbsp;April 2019</span> (britisches Englisch).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ABassreflex-Geh%C3%A4use&amp;rft.title=WinISD&amp;rft.description=WinISD&amp;rft.identifier=http%3A%2F%2Fwww.linearteam.org%2F&amp;rft.language=en-GB">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedemann Hausdorf: Handbuch der Lautsprechertechnik, 3., überarb. Aufl., Verlag Peter Schukat, Haan, 1990</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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